Militär und Tauchen

Tauchen sollte nie auf die leichte Schulter genommen werden, schließlich kann es dabei zu einigen lebensbedrohlichen Situationen kommen. Taucher sollten es ernsthaft trainieren. Das Tauchen zu militärischen Zwecken ist aber vermutlich die härteste Tauchart von allen, da es einen völlig anderen Ansatz besitzt. Es hat nichts mit Freizeit zu tun und ist stattdessen noch riskanter und erfordert größere Verantwortung der Taucher. Militärtaucher haben keine Zeit, sich der Schönheit der Unterwasserwelt zu widmen oder die Tiefen des Ozeans zu erkunden. Sie führen eine ernste Aufgabe durch, weil sie in der strategischen Kriegsführung eingesetzt werden. Deshalb unterscheidet sich die gesamte Ausbildung, die Ausrüstung und die Taktik signifikant von denen regulärer Taucher. Da Militärtaucher stets unter Lebensgefahr operieren, werden sie vom Militär noch stärker trainiert, um mögliche Todesfälle zu vermeiden. Ein spannender Fakt ist, dass das militärische Tauchen bereits 480 v. u. Z. in Persien angewendet wurde. Obwohl die ersten Taucher noch nicht über eine moderne Ausrüstung verfügten, gelten sie heute als Wegweiser dieser Tauchdisziplin. Was wir als eine Erfindung der Neuzeit betrachten, wurde bereits lange zuvor eingesetzt.

Das moderne militärische Tauchen ist ein wichtiger Bestandteil des US-Militärs. Fast jeder Zweig schult seine Taucher sehr speziell, um den erforderlichen Anforderungen zu entsprechen. Neben den USA gibt es 40 weitere Nationen, die über geschickte Taucher in ihren Armeen verfügen. Obwohl sich das Militärtauchen von anderen Tauchdisziplinen unterscheidet, sind sie doch miteinander verknüpft. Das Militär entwickelt und verwendet häufig Ausrüstung und Technologie, die der breiten, zivilen Masse erst später zur Verfügung steht. Das ist auch beim Tauchen der Fall. Militärtaucher verwenden hoch entwickelte Geräte, deren Leistungen oft auch anderen Arten des Tauchens nützen. Ihr Wechsel vom militärischen in den zivilen Nutzen findet meistens eine Weile nach Entwicklung und Einsatz für militärische Zwecke statt. Während Freizeittaucher also ungeduldig auf die neusten technischen Entwicklungen warten, kommen Militärtaucher schon lange vorher in ihren Genuss.

Militärtaucher sind in der Regel in Abriss-, Kampf-, Such-, Rettungs- und Unterwasseringenieurmissionen unterwegs. Für diese Aktivitäten gibt es drei Hauptkategorien: Kampftauchen, Rettungstauchen und Flotten- und Ingenieurtauchen. Ausgebildete Kampfschwimmer werden oft als „Froschmänner“ bezeichnet. Dieser Spitzname entstand aufgrund ihrer glänzenden Trockentauchanzüge und der großen Flossen. Kampftauchen ist eine spezielle militärische Tauchkategorie, da der Einsatz auf diesem Gebiet eine besondere Ausrüstung erfordert und sich der Taucher oft einer feindlichen Umgebung aussetzt. Eines der wichtigsten Dinge beim Kampftauchen ist eine hervorragende Teamzusammenarbeit und -kommunikation. Die wohl bekanntesten Kampfschwimmer sind die Navy SEALs. Im Zweiten Weltkrieg gegründet verfügen sie heutzutage nicht nur über große Tauchfertigkeiten, sondern auch über hervorragende militärische Fähigkeiten an Land. Es versteht sich von selbst, dass ihr Tauchtraining viel schwieriger ist und länger dauert als das eines Zivilisten. Bis zum Ende ihres Trainings, das in der Regel mehrere Monate dauert, müssen sie eine lange Liste an Anforderungen erfüllen. In einer Kampfsituation riskieren sie nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das Leben der anderen Teammitglieder. Daher ist es so wichtig, dass alle Anforderungen erfüllt werden.

Dr. Christian Lambertsen, der als Vater des modernen Kampftauchens gilt, ist der Erfinder des Closed-Circuit-Rebreather-Systems, das heutzutage von Kampfschwimmern verwendet wird. Allerdings war es sein Professor, der die Vorteile der Lambertsen-Amphibious-Respiratory-Unit (LARU) erkannte und einige Modifikationen vornahm, um sie den Bedürfnissen der Marine anzupassen. Seinetwegen geben die Kampftaucher heutzutage keine Blasen mehr ins Wasser ab. Das macht es dem Gegner schwerer, sie zu entdecken.

Wenn wir Bergungstauchen mit irgendeiner Art des Sporttauchens vergleichen wollten, wäre das wohl das Wracktauchen. Allerdings begeben sich Bergungstaucher nicht wegen des Nervenkitzels bei der Erforschung eines Wracks unter Wasser, sondern gehen einer wichtigeren Aufgabe nach. Sie werden eingesetzt, um Wrackteile oder sogar Ladungen nach einem Flugzeugabsturz oder einem Schiffsuntergang wiederzufinden. Dabei ist es wichtig, dass sie diese Elemente im bestmöglichen Zustand abliefern, da sie später dazu verwendet werden, die Ursachen des Unfalls zu ermitteln. Einige der Techniken, die sie dafür benötigen, sind (abgesehen vom Tauchen) Schweißen, Schneiden, Heben, Sprengung usw. Das Bergungstauchen steht in Zusammenhang mit der Entwicklung der U-Boote Anfang des 20. Jahrhunderts. In dieser Periode ereigneten sich viele Unfälle, und das Bergungstauchen wurde deutlich häufiger als andere Arten des militärischen Tauchens angewendet. Eine der größten Operationen auf diesem Gebiet fand in Pearl Harbor statt, wo Taucher 20.000 Stunden nach einem Angriff investierten.

Um Ingenieuraufgaben unter Wasser auszuführen (wie Reparatur, Inspektion und Montage), verfügt das US-Militär über ein separates Tauchteam, das zur Kategorie des Flotten- und Ingenieurtauchens gehört. Dieses Team wurde im Jahr 2012 gebildet, sein offizieller Name lautet Forward Response Dive and Survey Team (FRDST). Seine Hauptaufgabe besteht darin, Unterwasseranlagen und -einrichtungen durch SONAR-Erhebungen zu prüfen. Sobald sie die erforderlichen Informationen gesammelt haben, können sie entscheiden, ob und wie eine Reparatur durchgeführt werden muss. Es gibt 15 solcher Einrichtungen, die dieses Team alle vier Jahre überprüfen muss.

Militärtauchen ist wahrscheinlich eine der wichtigsten Arten des Tauchens. Sein Beitrag ist nicht nur für Militäraktionen enorm, sondern auch für medizinische, technische und wissenschaftliche Zwecke.