Kommunikation unter Wasser

Die seltene Gelegenheit, Meereslebewesen in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, macht das Tauchen so spannend. Dabei können Menschen die wahre Natur und bestimmte Verhaltensmuster der Tiere sehen. Aber mit dieser Möglichkeit kommt eine große Verantwortung. Auch unter Wasser gibt es einige ungeschriebene Regeln. Die Taucher sind quasi bei anderen „zu Hause“, daher sollten sie rücksichtsvolle und höfliche Gäste sein. Es gibt keinen Gastgeber, der es schätzt, wenn die Gäste unhöflich sind. Das ist die wichtigste Richtlinie, an die sich Taucher halten müssen, während sie die Unterwasserwelt erkunden. Taucher sind gut damit beraten, sich vorzustellen, wie es wäre, anstelle der Tiere zu sein. Wie sie sich fühlen würden, wenn sich die Gäste im eigenen Haus rücksichtslos verhalten. Kinder müssen auch lernen, dass sie zwar alles ansehen, aber nicht alles berühren können. Das gilt auch für Taucher. Die Unterwasserwelt mit ihrer Vielfältigkeit und Lebendigkeit ist einfach erstaunlich, und die meisten Taucher werden sicherlich das Bedürfnis verspüren, einige Tiere zu streicheln. Sie sind jedoch aufgefordert, diesem Drang zu widerstehen. Wie bereits erwähnt sind Taucher lediglich Gäste und sollten sich wie solche benehmen. Nur weil sie die Gelegenheit erhalten, dieses Ökosystem zu erforschen, bedeutet das nicht, dass sie das Recht haben, es zu stören. Nichts anderes sollte beim Tauchen geschehen außer dem Beobachten und Einfügen. Vom Schmusen, Berühren oder sogar dem Versuch, mit diesen Tieren zu schwimmen, wird dringend abgeraten. Ebenso wie vom Versuch, ihre Aufmerksamkeit zu erregen oder sogar Reaktionen von ihnen zu erhalten. Die Taucher sollten stets einen Sicherheitsabstand einhalten und Hilfsmittel wie Kameras benutzen, wenn sie etwas genauer beobachten möchten. Selbst wenn ein Meeresbewohner sich nähert und einen genaueren Blick auf den Taucher werfen will, muss dieser das Tier in Ruhe lassen und plötzliche Bewegungen vermeiden. Denn auch das Annähern ist keine Einladung zum Berühren.

Eine gewisse Entfernung zu Korallen einzuhalten, ist immer ratsam, denn diese können zwar völlig harmlos aussehen, aber dieser Schein kann trügen. Dabei sind sie nicht aggressiv und greifen den Taucher auch nicht an, doch der Taucher selbst kann Fehler im Umgang mit ihnen begehen. Eine Begegnung kann leicht in Schnitten enden, die viel Zeit zum Heilen in Anspruch nehmen, oder sogar in sehr schmerzhaften Stichen bei der Berührung mit bloßen Händen (oder wenn sie den Körper des Tauchers ohne Neoprenanzug berühren).

Bevor Taucher sich unter Wasser begeben, sollten sie daher so viel wie möglich über die Arten lernen, denen sie vielleicht begegnen. Das ist für die Erhaltung unserer Meere ebenso wichtig wie für die Sicherheit des Tauchers, denn viele Arten können gefährlich oder sogar giftig sein. Das Wissen darum verringert das Risiko von möglichen Unterwasserunfällen. Das ist auch aus rechtlichen Gründen wichtig. Bedrohte Arten werden vom Gesetz streng geschützt. Da Taucher nicht alles über das Leben im Meer und seine gefährdeten Arten wissen können, kann eine einfache und unschuldige Berührung schon Grund genug für eine Klage sein. Deshalb sollten sie besser gar nichts erst berühren. Das gilt nicht nur für die Interaktion mit dem Tier, sondern auch für Änderungen seines natürlichen Lebensraums.

Es ist wohl eine der schlimmsten Ideen, einem Tier, das sich bedroht fühlt oder einfach nur entkommen will, nachzuschwimmen. Das Tier kann sich provoziert fühlen und den Taucher angreifen, um sich zu schützen. Schließlich ist der Überlebensinstinkt wahrscheinlich der am besten entwickelte bei allen Tieren. Dieses „Nachschwimmen“ gilt in Taucherkreisen als eine Form der Belästigung. Eine andere Form der Belästigung, die ebenfalls unter Wasser stattfindet, ist das „Reiten“. Manchmal vergessen sich Taucher und klettern auf den Rücken eines harmlosen Tieres oder halten sich daran fest, um sich tragen oder ziehen zu lassen. Obwohl es schwer zu glauben ist, passiert das doch immer wieder, wie viele Bilder im Internet beweisen. Ein beschämender Vorgang.

Etwas anderes, das Taucher immer bedenken sollten: Wenn sie in der Nähe eines Raubtiers schwimmen, dürfen sie unter keinen Umständen darüber hinweg schwimmen. Aus Sicht der Tiere gilt dies als eine Form der Aggression oder sogar als möglicher Angriff. Raubtiere sind die letzten Lebewesen, die Taucher irritieren oder verrückt machen sollten. Daher ist es wichtig, diese Art der Bewegung zu vermeiden.

Trotz allem zuvor Gesagtem gibt es sicher auch Leute, die sich fragen, ob es akzeptabel ist, Meerestiere zu füttern. Dabei dürfte die Antwort klar sein. Die Fütterung kann nicht nur den Tieren schaden, sondern auch den Taucher selbst in eine gefährliche Situation bringen. Denn das Füttern verursacht möglicherweise schwere Probleme, da die vom Taucher ausgewählte Nahrung nicht unbedingt die beste für das Tier ist und damit zu Krankheit oder sogar Tod führen kann.

Wenn Taucher in der Nähe eines Tauchplatzes Müll sehen – oder schlimmer noch: unter Wasser –, sollten sie ihren Beitrag dazu leisten, die Umgebung sauber zu halten. Die Unterwasserwelt ist wohl im Moment am meisten vom Müll des Menschen bedroht, sodass jeder seine Rolle bei der Erhaltung der Meere und seiner Bewohner spielen sollte. Die Tiefen des Ozeans verbergen noch viele Geheimnisse, die selbst von denjenigen, die viel mit der Unterwasserwelt zu tun haben und dort Forschungen betreiben, noch nicht aufgedeckt worden sind. Das bedeutet, dass auch Taucher nicht immer entscheiden können, ob eine Handlung angemessen ist oder nicht. Daher ist es wichtig, die oben genannten Regeln zu befolgen, weil niemand mit Sicherheit wissen kann, was das Ergebnis einer Aktion ist. Taucher müssen stets bedenken, dass sie nicht allein sind. Es gibt viele andere wie sie, die die gleichen Orte erkunden und wahrscheinlich gleich denken. Eine einzelne Aktion muss nicht schädlich sein, aber wenn viele sie ausüben, können die Effekte recht verheerend sein.